Sonnenbrille/Regenjacke

19. und 20. August: In meinem Bett im fragwürdigen Hostel in Pärnu werde ich früh morgens mal wieder durch Blitz und Donner geweckt. Hat sich dann wohl mit Strand. Ich dreh mich kurz noch mal um, schlafe aber nicht mehr so richtig ein. Ein Kaffee ist im leeren Speisesaal des Hostel wohl auch nicht zu bekommen, also bin ich früh schon in der Innenstadt unterwegs und nehme einen vergleichsweise frühen Bus nach Riga. Ich gehe zurecht davon aus, dass es dort eine Menge zu sehen gibt – je mehr Zeit ich für Riga habe, desto besser.

Im Bus versuche ich zu lesen, döse immer wieder kurz weg und verpasse sogar den Grenzübergang. Schengen, dich lobe ich mir. Völlig in mein Buch vertieft bemerke ich, dass wir plötzlich schon in den Busbahnhof von Riga einlaufen. Das ging schnell. Ich lade mir mein Gepäck auf und laufe die wenigen Meter bis zum Hostel, dem enorm netten Seagulls Garret. Offenbar bin ich aber noch etwas benommen von der Fahrt, jedenfalls gesteht die Rezeptionistin Kate mir später, dass sie mich zuerst für ziemlich begriffstutzig hielt. Durch eine kalte Dusche lässt sich aber auch in Griff bekommen, und kurz darauf mache ich mich auf Entdeckungstour in Riga.

Mit einem längeren Spaziergang erlaufe ich mir nicht nur die Altstadt, sondern decke auch fast schon alle wichtigen  Sehenswürdigkeiten der Stadt ab. Johanneskirche, Schwarzhäupterhaus, Dom, Rathausplatz, Schloss, Schwedentor, Pulverturm, Freiheitsdenkmal – als hätte ich die Route vorher von einem Touristenführer designen lassen. Ist aber alles spontan, und zwischendurch ist auch mal Zeit für einen Kaffee oder einen Klamottenladen. Ich hasse zwar das Einkaufen, habe aber beschlossen, dass ich nicht ausschließlich in Sporthosen herumlaufen möchte auf meiner Reise veränderten Zuschnitts. Also muss jetzt eine schwarze Jeans her. Es ist warm, aber auch nicht zu sehr, und ich muss den ganzen Tag lang immer wieder zwischen meiner Sonnenbrille und meiner Regenjacke wechseln. Teilweise habe ich auch beides an.

Später gibt es dann Lasagne im Hostel, in dem trotz der Größe eine sehr familiäre Atmosphäre herrscht. Wir hängen zusammen auf dem riesigen Balkon ab, sitzen später am großen Esstisch, und dann macht sich eine Gruppe von etwa zwölf Leuten aus ganz Europa auf, die vielen Kneipen der Stadt zu erkunden. Die sind sehr unterschiedlich, wir erwischen aber nur gute, haben eine Menge Spaß und eine Menge Mojitos. Zuletzt verschlägt es zwei Mädels aus Hamburg und mich ins Omas briljants, einen ziemlich hipstermäßiger Klub mit Stehlampen und Mustertapeten, der so auch in Berlin Mitte liegen könnte. Und es ist spät, als ich ins Bett finde.

Dementsprechend müde bin ich auch am nächsten Morgen, wobei ich zum Frühstück auf dem Balkon wieder eine von den guten Mohnschnecken habe – der Tag könnte deutlich schlechter starten. Dann bummle ich über den Markt und stehe gerade vor dem Kulturpalast, als es wieder zu gewittern beginnt. Schnell wieder die Sonnenbrille gegen die Regenjacke eingetauscht, und meinen Plan, zur Besucherplattform hinaufzufahren und Riga von oben zu betrachten, verwerfe ich auch gleich. Stattdessen stelle ich mich irgendwo unter und laufe noch ein wenig durch die Neustadt, esse einen Pankuka, aale mich während des nächsten Schauers ausgiebig auf dem Hostel-Sofa und muss dem Seagulls Garret und den Leuten darin doch irgendwann adieu sagen. Zum Glück haben sie kein Bett mehr frei für die nächste Nacht, ich wäre ehrlich versucht gewesen, noch etwas in Riga zu bleiben. Aber so nehme ich den Bus heraus aus dem Zentrum und stehe bald wieder an einer Landstraße. Mit sowohl Sonnenbrille als auch Regenjacke, man weiß ja nie.

4 Kommentare

  1. Ohwas, du hast im Seagulls gepennt? Ich weiß genau wo das ist, ist das nicht das Hostel mit der süßen Katzenhütte vornedran?

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