Die Luft der Berge

Bevor wir uns in alle Himmelsrichtungen zerstreuen, haben meine Familie und ich es noch einmal geschafft, ein paar Tage zusammen zu verbringen. Ich liebe die Berge, und das Reiseziel Vorarlberg ruft bei allen anderen auch gleich Begeisterung hervor. Der Ort Damüls ist (laut lokaler Tourismusbehörde) der schneereichste überhaupt, mit neun Metern Neuschnee jeden Winter. Kann uns aber egal sein, es ist schließlich August. Während der Rest Europas unter Rekordhitze brütet, können wir bei milder Temperatur die Berge hinauf- und hinablaufen. Für zusätzliche Abkühlung sorgt ein malerischer Bergsee. Wer schafft es zuerst, zur Badeplattform in der Mitte zu schwimmen?

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Zudem verschlägt es uns auch noch nach Liechtenstein. Das ist zwar zugegeben nur ein Fliegenschiss auf der Landkarte – allerdings ein sehr reicher Fliegenschiss voller moderner Kunst und sehenswerter Architektur.

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Ein bisschen Kulturprogramm muss natürlich auch sein, und es sind die legendären Bregenzer Festspiele, zu denen wir uns Eintrittskarten sichern konnten. Aus dem Bodensee erhebt sich die Seebühne, die dieses Jahr ausgerechnet im Stil der chinesischen Mauer gestaltet ist, komplett mit Tonsoldaten, Wachtürmen und Lampions. Während auf der Bühne die grausame Prinzessin Turandot wütet, versinkt hinter Bühne und See die Sonne und zaubert alle Farben an den Himmel. Nessun‘ dorma? Nein, ich ganz sicher nicht – denn bald ist es soweit, und statt Pucchinis Opernwelt lande ich im richtigen China. Man darf gespannt sein…

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Neues altes aus China

Januar in Karlsruhe. Es ist kalt, grau und ungemütlich geworden vor meinem Fenster. Wer jetzt kein Luftschloss hat, baut sich keines mehr. Die letzte Reise ist schon lange her, und da ich mir keinen Abstecher auf die Malediven leisten kann, bleibe ich im Januar am liebsten im Wohnzimmer sitzen und träume von fernen Ländern.

Es erreicht mich eine Postkarte aus Yangshuo, ich spreche mit einer Freundin über unsere Erinnerungen an Guangxi, ich lerne einige Mandarin-Vokabeln – das ferne Land, von dem ich träume, ist offensichtlich China. Einmal durch die schönsten Fotos geklickt, da fällt mir auf, wie viele kurze Videoschnipsel ich da eigentlich herumliegen habe. Meine Tage hier sind eh unspektakulär und dunkel, welche Lichtblick wäre es da wohl, wenn ich die schönsten Schnipsel zu einem China-Panorama-Film zusammenschneide?

Der Jesus vom Etagenbett

Wir sind gerade erst im Hostel in Jerusalem eingecheckt, die Stadt macht einen spannenden Eindruck, es gab Kaffee, die Rezeptionistin stammt aus Saarbrücken – alles angenehm also. Vom benachbarten Etagenbett im Achterzimmer grüßt ein hagerer Mann, schätzungsweise Mitte dreißig. Er sei Montenegriner, schon einige Wochen hier, ob er uns die Stadt zeigen solle? Wir willigen ein.

Auf geht’s in die Altstadt, hinein in das Gewühl aus Juden, Muslimen, Christen jeder Couleur, aufgemischt durch Touristengruppen und Soldaten, durch Pilger und Nippesverkäufer. Die Eindrücke stürzen von links und rechts auf uns ein, während wir durch die engen Gassen laufen, teils auch von den Massen geschoben werden. Treppauf, treppab, durch Torgänge und an den kilometerlangen Auslagen der Händler vorbei. Wir wollen am liebsten alles in Ruhe aufsaugen, aber unser Begleiter Tom drängt uns zur Klagemauer.

Und dort beginnt das Spektakel, womit ich nicht das Soldatengelöbnis meine, welches gerade an diesem geschichtsträchtigen Ort stattfindet. Nein, auch Tom beginnt, seine atemberaubende Weisheit mit uns zu teilen. Er textet uns zu, an diesem Abend und am folgenden Tag, wann immer er unserer ansichtig wird. Wie er eine geheime Botschaft aus den Steinquadern der Klagemauer dechiffrieren konnte. Welche Parallelen sein Heimatland mit dem Land Israel und sein Lebenslauf mit dem einiger großer Propheten habe. Wie er aus der albanischen Flagge den Hinweis ablese, es sei ihm bestimmt, nach Jerusalem zu gehen. Wie er nun der Menschheit seine Offenbarungen darlegen wolle. Was es mit dem judäischen Löwen auf sich habe („Look, a lion!“) und warum die Schöpfungsgeschichte nicht ganz richtig interpretiert werde. Wie er vierzig Tage lang gefastet habe. Inwiefern Amerika der Teufel und das Böse schlechthin sei. Warum es bald zum letzten Krieg kommen werde. Und wie er einigen Auserwählten das Überleben sichern könne: es gebe da eine Halbinsel, ganz im Osten Australiens, von wo aus man über die Datumsgrenze hinweg das erste Licht des anbrechenden Tages sehen könne. Und da jene Halbinsel ihm selbst, Tom, im Profil ähnele, sei ja wohl klar, wer hier der Auserwählte sei.

All diese Wahrheiten überbringt er uns scheibchenweise, wobei wir permanent schwanken zwischen ungläubigem Lachen und ehrlicher Bestürzung darüber, welches groteske Gedankengebäude dieser Mensch sich aufgebaut hat. Er hat offenbar kein Geld mehr (das Hostelbett bezahlt ihm irgendein obskurer Freund), auch seine Aufenthaltsgenehmigung läuft bald ab, aber das ist ihm anscheinend egal, denn er sieht sich in göttlicher Mission. Seine Eingebungen belegt er durch abstruse Vergleiche, durch etwas Spielerei mit Fahnen und Landkarten und natürlich durch Google Maps, wo man natürlich klar erkennen kann, dass der amerikanische Kontinent wie ein Teufel und besagte Halbinsel wie er selbst auf seinem Passfoto aussehe. Wir nicken brav, schauen uns gegenseitig ungläubig an und beißen uns feste auf die Zunge, um nicht laut loszulachen. Auf der Busfahrt hatten wir noch Witze über das Jerusalem-Syndrom gemacht, aber dieser Typ ist sogar noch einen Schritt weiter; er hält sich nicht einfach für eine biblische Figur, sondern für den nächsten Propheten, dem eine göttliche Offenbarung zuteil wurde.

Es fällt mir schwer, mit dieser Begegnung umzugehen. Es ist das eine, zu ahnen, dass Jerusalem wohl diejenige Stadt auf der Welt mit der höchsten Dichte an religiösen Spinnern ist – und das andere, einem solchen Menschen unvermittelt gegenüberzustehen. Natürlich habe ich den Impuls, dass hier jemand Hilfe braucht. Aber ich bin selbst fremd in diesem Land und habe keine Ahnung, wie ich sie ihm verschaffen kann. Die Geschichten klingen außerdem so abenteuerlich, dass ich erst nach und nach realisiere, wie ernst es ihm ist. Und noch immer muss ich mir gelegentlich feste auf die Zunge beißen.

Was nach unserer Weiterreise aus Tom geworden ist, weiß ich nicht. Er hatte nur noch wenige Schekel über. Ob die Einwanderungsbehörde ihn aufgegriffen hat? Ob er noch immer auf irgendeiner Straße in Jerusalem unterwegs ist? Ob er wie erhofft einen Job als Erntehelfer in einem Kibbuz gefunden hat? Eines jedenfalls ist mir klar, nach Australien wird er es nie und nimmer geschafft haben. Im Hinblick auf den drohenden Weltkrieg ist das natürlich übel. Auch dass er sein Buch jemals veröffentlichen wird, kann ich mir schwer vorstellen. Er wird weiter seine Offenbarungen verbreiten. Vielleicht wird sich irgendwann ein Psychologe seiner annehmen. Hoffentlich.

Sein Auftrag an uns war lediglich, die göttlichen Wahrheiten auch in Deutschland zu verbreiten. Was hiermit erledigt wäre. Gern geschehen.

Meine Reisebekanntschaft Tom im Profil (Abb. ähnl.)

Wüste

Mein erstes Mal in der Wüste, unfassbar. Gibt doch so viel Wüste auf dem Planeten, und es wird sogar von Jahr zu Jahr mehr.

Aber endlich stehen wir hier, in der Judäischen Wüste. Von Jerusalem aus sind wir durch das Westjordanland gefahren. Ab und zu ein Checkpoint, einige palästinensische Autokennzeichen, aus den Siedlungen strecken sich Minarette, aber davon abgesehen gibt es kaum Hinweise, dass wir nun nicht mehr im echten Israel sind. Auch keinerlei Einreiseprozedur. Die Besatzung, ich weiß, aber trotzdem.

Schweden hat am Tag vor unserem Besuch als 135. Land den Staat Palästina offiziell anerkannt. Aber was für ein Staat ist das hier? Wir sehen keine einzige Fahne, es gibt keine erkennbare Grenze. Und auch kaum Bevölkerung, jedenfalls nicht in Sichtweite des Highway. Nur Wüste.

Palmen huschen vorbei. Ein Kamel grinst stoisch.

Hügel, Löcher, Sand, Geröll.

Man sieht so gut wie kein Wasser. Es ist, natürlich, drückend heiß draußen. Gelegentlich eine Palme, ein Kaktus, ein Dornbusch. Israelische Kampfjets halten ihre Manöver ab, hier können sie ja selbst im Tiefflug kaum stören.

Mein erstes Mal in der Wüste. Und ich wundere mich, dass sich ernsthaft Generationen von Menschen blutige Auseinandersetzungen um dieses karge Land liefern. Es ist schön hier, auf eine ganz eigene Weise. Aber zugleich menschenfeindlich, noch menschenfeindlicher als der Konflikt, der um dieses Land tobt.

Man muss sie nicht verstehen, weder die Wüste noch die Menschen.

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Eine Stippvisite im Nahostkonflikt

Wir erreichen Jerusalem im Bewusstsein, dass in dieser Stadt der gesamte Irrsinn und das Elend dieses Konflikts kulminiert. Jahrtausendealte Heiligtümer auf wenigen Hektar ergeben jahrtausendealte Ansprüche, die sich nur im Wege stehen können.

Am ersten Abend unseres Besuchs wird gleich mal ein Attentat auf einen rechten jüdischen Aktivisten verübt, daraufhin erfolgen Vergeltungsmaßnahmen, Polizeieinheiten erschießen den mutmaßlichen Attentäter, einen Palästinenser. Der Tempelberg, Gegenstand des Konflikts, wird von Soldaten abgeriegelt, in palästinensischen Vierteln gibt es Demonstrationen und Ausschreitungen. Man hört Hubschrauber und Schüsse, an allen Ecken postieren sich Soldaten mit Maschinengewehr im Anschlag.

Kurzum: ohne dass wir uns es versehen, sind wir mitten in das neue Aufbrechen eines uralten Konflikts geraten. Darauf waren wir nicht unbedingt vorbereitet. Was natürlich dazu führt, dass wir extrem angespannt sind. Wir schauen uns ständig über die Schultern, erwarten vermummte Attentäter hinter jeder Straßenecke, hören unvermittelt Schüsse und laufen gleich los in entgegengesetzter Richtung.

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Vom Ölberg aus kann man den gesamten Zankapfel im Panorama betrachten. Da liegt er vor uns, der Tempelberg, heilige Städte der Muslime und der Juden, tägliche Gebetsstätte Abertausender, heute aufgrund der Straßensperren menschenleer. Soll es wirklich nicht möglich sein, hier friedlich zu koexistieren und den anderen zu achten, ungeachtet seiner Vorfahren, Religion, Volkszugehörigkeit?

Ein alter Palästinener, mit dem wir uns lange unterhalten, kann diese Gedanken nicht im Mindesten nachvollziehen. Imbrahim spricht den Juden jegliches Recht auf ihren Staat ab, beruft sich dabei auch auf fragwürdige Argumente, aber wer kann es ihm verdenken? Es lebt sich nicht leicht hier als Bürger zweiter Klasse. Sind unsere Vorstellungen von Koexistenz vielleicht nur das naive Denken zweier Europäer, die hier nicht selbst leben müssen und die Verwerfungen nicht täglich spüren müssen?

Wie auch immer, wir sind nicht allzu traurig, als wir Jerusalem nach einigen Tagen wieder verlassen. Es ist eine spannende Stadt, beeindruckende Bauten erzählen hier Geschichte – aber wir sind froh, als wir den Checkpoint passieren und die ständige Anspannung von uns abfallen kann. Eine Frage aber verfolgt uns noch lange: wird es uns irgendwann möglich sein, diese Stadt zu besuchen, ohne ständig an Gewalt und Unterdrückung denken zu müssen?

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Neue Seiten?

Kürzlich saß ich, mit meiner Kamera bewaffnet, an einem sonnigen Vorfrühlingstag einige Zeit in einer Stadt fest.

In einer Stadt, die ich gut zu kennen glaube. In der ich schon hunderte Male war, wenn auch in letzter Zeit eher selten. In der ich nur schnell auf den Umstieg auf den Fernbus wartete. (Ach, ich bin auch zunehmend ein Freund der neuen Fernbusse, aber das nur am Rande…)

Und so schlenderte ich mit Sack und Pack, in diesem Fall mit Sack und Pentax, los. Ich wollte mich – wie ein Tourist – der Stadt wieder ganz neu nähern, das hatte ich beschlossen. Als wäre ich noch nie dort gewesen. Schon nach zwei Ecken war ich in die neue Welt eingetaucht, entdeckte mir bislang unbekannte Details. Kam aus dem Staunen nicht mehr hinaus, was im scheinbar Bekannten an Unbekanntem lauerte.

Und verließ dieser mir nur allzu gut bekannte und nicht immer sympathische Stadt mit einem ganz neuen Gefühl. Wie einen langweiligen, sabbernden Urgroßonkel, der gerade eine ungeahnte Information aus seinem wilden Zweitleben preisgegeben hat.

 

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Neue Seiten der Stadt.

Neue Seiten auch hier auf dem Blog. In der nächsten Zeit werden wohl (leider) weniger Artikel aus fremden Ländern folgen. Höchste Zeit, das Fremde im Bekannten zu suchen.

Und zu finden?

 

Nebenbei: um welche Stadt es sich wohl handelt?

2013 – Was bleibt?

Es ist der 12. Januar 2014. Ich habe gerade einige der angefangenen China-Posts endlich zu Ende gebracht und wache nun wieder in Karlsruhe vor meinem Laptop auf, nachdem ich einige Stunden gedanklich in Hongkong verbracht habe. Etwas spät für einen Neujahrs-Artikel? Ach was, erstens habe ich in der letzten Zeit mit Umzug und Jobwechsel so viel zu tun gehabt, dass mir nicht viel Zeit für Besinnlichkeiten blieb, und zweitens beginnt das Jahr des Pferdes in China sowieso erst Ende Januar.

Was bleibt von 2013?

Ein Jahr großen Wandels, in dem ich nicht nur viel gelernt und mein Studium abgeschlossen habe, sondern auch enorm viel unterwegs war. Ein gutes Gefühl, nicht nur im Rückblick. Ich habe einige große und viele kleinere Touren gemacht und dabei mit Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Frankreich, Kroatien, Österreich, Polen, Rumänien, Serbien, der Slowakei, Ungarn und der Volksrepublik China satte elf Länder bereist (selbst wenn man Hongkong nicht als eigenes Land mit zählt).

Dabei habe ich mich sicherlich etwas verändert, weiß nun klarer wer ich bin, was ich kann und was ich will. Ich habe das Alleinreisen ausprobiert und für mich entdeckt. Ich habe tausende Kilometer zu Fuß und auf dem Fahrrad zurückgelegt. Ich habe eine neue Sprache angefangen zu lernen. Ich habe sehr interessante Menschen getroffen, einige Freundschaften geschlossen und kaum negative Erfahrungen gemacht. Ich habe einige Länder lieben gelernt, die ich vorher zu Unrecht so gar nicht auf dem Zettel hatte (vor allem gilt das für Serbien). Meine Einstellung zu China hat sich ebenfalls enorm gewandelt und vor allem differenziert. Mein Faible für das Reisen hat sich eher gefestigt.

Ich habe im eisigen Warschau gefroren und im bosnischen Sommer geschwitzt. Ich habe Wolkenkratzer bestaunt, bin in buddhistischen Tempeln und orthodoxen Klöstern in mich gegangen, habe Minenfelder und Kriegsspuren erlebt, habe Berge bestiegen und bin in Flüssen geschwommen. Ich habe mein Zelt im Wald und auf dem Feld aufgeschlagen, unter dem Kirchturm und unter dem Apfelbaum, beim Segelclub, an der Klosterruine und am Eisernen Tor, am Hohen Meißner und immer wieder am Donauufer. Ich habe eine ganze verdammte Gewitternacht lang um mein Leben gefürchtet. Ich habe an unzähligen Bäckereien angehalten. Ich habe in einem Jahr über 70 GB an Fotos angesammelt. Ich habe diesen Blog gestartet und das Schreiben lieben gelernt. Ich habe in Parks und in Kneipen gesungen, am Feuer und beim Wandern. Ich habe verdammt noch mal gezeigt, was ich drauf hab.

Und 2014? Das weiß ich doch jetzt noch nicht. Hauptsache ich habe ein gutes Gefühl.

Das Bild oben, vielleicht zeigt es gar keinen Sonnenuntergang. Vielleicht zeigt es ja einen Sonnenaufgang! Auf zu neuen Abenteuern!

Das westlichste Klo Europas

Der Himmel wird grauer und grauer. Die Wolken haben sich längst zugezogen. Es beginnt, zu tropfen.

Wir wandern eine Landstraße im Westen Irlands entlang, haben das letzte Dorf bereits hinter uns gelassen. Ein paar Häuser und Baracken, Schäferhunde, Telegrafenleitungen. Vor uns nur noch Hügel, Wiesen, das Meer.

Dann erst mal tausend Kilometer Wellen.

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Wir beschleunigen unsere Schritte. Einer der Berge hinter uns wird durch einen Regenvorhang verdeckt. Die Wiesen links und rechts der schmalen Teerstraße sind bereits mit Wasser vollgesogen. Die einzelnen Weiden werden durch niedrige Steinmauern und karge Hecken begrenzt. Es handelt sich um Salzwiesen. Das Meer ist nicht weit.

Der erste Tropfen fällt.

Wir beginnen zu laufen. Es kann nicht mehr lange dauern bis zum Wolkenbruch, und ringsum nichts, das uns Schutz geben könnte. Wir schlagen den Weg zum Meer ein, es bleibt auch keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, schließlich wollen wir nicht aufhören zu laufen.

Unsere Rettung, während um uns herum der Wolkenguss einsetzt: ein kleines weißes Toilettenhäuschen aus Waschbeton, gleich oberhalb des Strands. Wir verkriechen uns zu zweit auf der kleinen Herrentoilette, die Rucksäcke passen auch gerade noch mit hinein. Nicht gerade schön hier, auch nicht besonders sauber. Aber wir machen unsere Witze, während außerhalb des Toilettenhäuschens die Welt untergeht.

Schön, wenn man aus jeder Situation das Beste machen kann.

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Irgendwann endet der Regen, wir verstecken unsere Rucksäcke und springen erst mal eine Runde ins Meer. Natürlich ist es nicht besonders warm, dafür aber umso einladender.

Ob das Toilettenhäuschen wirklich das westlichste Europas ist oder ob es irgendwo in Portugal vielleicht noch eines gibt, das ein paar Meter weiter in den Atlantik hineinragt, kann mir dabei egal sein. Wichtig ist, dass unsere Schlafsäcke noch trocken sind, dass wir den Wolkenbruch gut überstanden haben, wir uns nun unglaublich lebendig fühlen, wie wir so nackt in die Brandung springen.

Und dass wir eine Anekdote ins Geschichtenbuch unseres Lebens hinzufügen können.

Die vom westlichsten Klo Europas.