10 Dinge, die ich in Kambodscha gelernt habe

1. Keine T-Shirt-Aufschrift ist so blöd, dass sie nicht auf Touristenmärkten Käufer finden würde.

2. Wir sind endgültig zu alt für den Partytourismus und besoffene Achtzehnjährige, die laut Karaoke grölen. Und das ist echt okay so.

3. Kambodscha hat zwar eine eigene Währung, den Real, der ist allerdings so wertlos und unsicher, dass überall in US-Dollar bezahlt wird. Lediglich unter Design-Aspekten gewinnt die kambodschanische Währung deutlich.

4. Ich liebe Tuk-Tuks. Also nicht die dämlichen wackligen in China, und auch die in Thailand fand ich nie so pralle. Aber die kambodschanische Variante ist ein Motorrad mit selbst drangeschweißtem Passagieranhänger, und man muss sie einfach mögen.

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4a. Es gibt auch eigene Tuk-Tuks-verboten-Verkehrsschilder.

5. Mönche sind allgegenwärtig mit ihren orangenen Roben und gelben Sonnenschirmen, und entgegen westlicher Eat-Pray-Love-Erwartungen hantieren sie ständig mit Smartphones und iPads.

6. Sehr fotogenes Land, fast 1.400 Fotos habe ich in einer guten Woche gemacht.

7. Es gibt Elefanten hier!

8. Und es gibt wunderschön luftige traditionelle Schals, und zwar in allen Farben, hauptsache kariert. Meinen gelb-blau-rosanen nehme ich seitdem überall hin mit, und gerade in heißen Gegenden ist er ein Wunder.

9. Es lohnt sich, das etwas teurere Hotel zu nehmen, wenn es dafür auf dem Dach einen Pool mit Blick über die Stadt hat.

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10. Kambodscha hat eine unfassbar traurige Geschichte, der Besuch im Foltergefängnis Tuol Sleng und auf den Killing Fields hat mich sehr viel Kraft gekostet. Ich bin beim Schreiben schon wieder kurz davor, in Tränen auszubrechen, wenn ich mir vorstelle, was Menschen anderen Menschen hier angetan haben. Umso krasser, wie warm und offen Kambodscha heute auf mich wirkt, nur 35 Jahre nach diesen unbegreiflichen Ereignissen, und wie wenig man dem Land heute noch anmerkt, was hier vorgefallen ist.

 

Kambodscha ist ein Land voller Wunder, in dem ich mich zu jeder Minute wohlgefühlt habe. Ich werde im Sommer höchstwahrscheinlich wiederkommen und versuchen, noch etwas tiefer einzutauchen!

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Mehr über meinen Aufenthalt in Kambodscha gibt es hier: Mitten im WeltwunderEin Häusermeer und Nach Phnom Penh und weiter

Was ich in anderen Ländern so gelernt habe, findet man hier: 10 Dinge

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10 Dinge, die ich in Südkorea gelernt habe

Endlich kann ich meine gute alte „10 Dinge, die ich in … gelernt habe“-Kategorie mal wieder aufleben lassen. Und in Korea habe ich echt einiges gelernt, ich wusste zuvor zwar schon recht gut über Geschichte und Politik des Landes bescheid, aber ich hatte dringenden Nachholbedarf in Kultur und Alltagsleben. Unter anderem habe ich diese 10 Dinge herausgefunden:

1. Der KTX ist der bessere ICE. Und pünktlich.

2. Südkorea bezeichnet sich als das einzige Land, in dem ein großer Teil der Bevölkerung tatsächlich freiwillig den christlichen Glauben angenommen hat. Naja, darüber kann man streiten, aber eines ist deutlich: man sieht dubiose Prediger auf den Straßen, und es gibt eine extrem hohe Kirchendichte. Auf einer 20-minüten Fahrt im Pendlerzug zählen Moritz und ich über vierzig Kirchtürme…

3. Auch hier gibt es eine Art Hotpot, mit dem ich mich unendlich rund fresse. Und nicht nur damit.

4. Welch ein Luxus, ohne Netzsperren und VPN einfach mal Google und Facebook benutzen zu können. Um so subversive Dinge wie „Reiswein“ zu googeln.

5. Immer und immer wieder wird man an die schreckliche Vergangenheit Koreas unter japanischer Besatzung erinnert. Vor allem bleibt mir der Besuch im ehemaligen Gefängnis Seodaemun im Kopf, wo schreckliche Dinge passiert sind.

6. Es ist doch immer wieder überraschend, so große Summen auf den Preisschildern zu haben. Ein Euro entspricht aktuell 1.305 Won. Verrückt.

7. K-Pop ist ein Phänomen. Ich bin zwar noch nicht so ganz angesteckt, aber ich beginne zu begreifen.

8. Ich kann doch ohne mit der Wimper zu zucken riesige Mengen an Kimchi essen.
8a. Das gilt auch für Gimbap, und die meisten anderen Leckereien. Koreanische Küche ist ein Hit!

9. Koreanisches Bier ist gut, aber überrascht hat mich der süße fruchtige Reiswein namens Makgeolli – damit hatte ich gar nicht gerechnet.

10. Korea war für mich zwar kein weißer Fleck auf der Landkarte, aber ich hatte immer gedacht, dass die Kultur eine Mischung zwischen den großen Nachbarn Japan und China darstellt. Ich bin froh, nun endlich herausgefunden zu haben, dass das nur die halbe Wahrheit ist, und werde beim nächsten Besuch sicherlich dieses Wissen noch vertiefen. Dass es einen nächsten Besuch geben muss – auch das gehört zu den Dingen, die ich gelernt habe.

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Mehr über meinen Aufenthalt in Südkorea gibt es hier: Alte Mauern, alte Freunde und 25 Millionen und ich!

Was ich in anderen Ländern so gelernt habe, findet man hier: 10 Dinge

10 Dinge, die ich in Litauen gelernt habe

1. Die Sprachmelodie des Litauischen ähnelt ein wenig der deutschen – anders kann ich mir es jedenfalls nicht erklären, dass ich ständig glaube, auf der Straße deutsch zu hören.

2. Außer in Nida. Da sind tatsächlich eine Menge Deutsche unterwegs. Die wohnen da allerdings nicht, sondern sind Touristen. Ich hätte nicht gedacht, dass Litauen so ein beliebtes Urlaubsland ist.

3. Ich hätte aber auch nicht gedacht, dass Litauen so ein tolles Urlaubsland ist. Kultur, Geschichte, Nachtleben, Meer, hier gibt es eigentlich alles, außer vielleicht Bergen. Aber Urlaub in Litauen ist doch deutlich attraktiver als erwartet.

4. Das Bier wird von Norden nach Süden immer besser. Aber gut, bald bin ich in Polen, und das ist erfahrungsgemäß sowieso fast das Land mit dem leckersten Bier…

5. Das Internet in Litauen ist unglaublich schnell. 100 % Glasfasernetz, offenbar als einziges Land der Welt.

6. Mitten in Litauen liegt tatsächlich auch das Zentrum Europas, grad an der Landstraße von Utena nach Vilnius. Das haben französische Geographen jedenfalls so berechnet. Also nix mit Osteuropa hier, ich bin im Zentrum!

7. Ich kann mir einfach die Reihenfolge der Streifen in der litauischen Flagge nicht merken. Gelb-grün-rot oder gelb-rot-grün? Verdammt, schon wieder vergessen, die Paprika-Fahne.

8. Basketball ist der ganz ganz große Sport in Litauen, nix mit Fußball. Beim Freundschaftsspiel (!) gegen Slowenien sind alle voll dabei, und abends wird kein Lied lauter mitgesungen als die Eishockey-Hymne.

9. Die Nehrung ist unbeschreiblich schön, tatsächlich ein Wunder der Natur, von dem ich immer noch nicht zu hundert Prozent verstanden habe, wie es entstanden ist.

10. Ich muss wohl wiederkommen, es hat mir einfach zu gut gefallen.

10 Dinge, die ich in Lettland gelernt habe

1. Riga ist eine tolle Stadt. Zwar ist Tallinn hübscher, aber Riga wirkt bei weitem lebendiger. Wenn mich jemand zwingen würde, in einer der bereisten Städte das nächste Jahr zu verbringen, bis jetzt würde ich wohl Riga wählen.

2. Lettische pankūkas sind lecker, aber an russische blini können sie nicht tippen.

3. Ansonsten schmeckt in Lettland fast jedes Brot nach Kümmel, mit unterschiedlicher Intensität auf einer Skala von „leichter Hauch“ bis nukleare Kümmelzombieinvasion.

4. Die Straßen im Großraum Riga sind vorzüglich, je weiter man sich von der Hauptstadt entfernt, desto schlechter wird ihr Zustand.

5. Die Letten haben offensichtlich ein problematisches Verhältnis zu den Russen, sowohl zu denjenigen im eigenen Land als auch zu denen jenseits der Grenze. Die Angst vor einem neuen Krieg ist hier viel größer als in Deutschland.

6. Lettische Milchbauern haben gerade sehr große Schwierigkeiten, weil mit Russland der größte Abnehmer weggefallen ist. Hier werden die Probleme greifbar, die das unnötige Kräftemessen beschert.

7. Lettische Supermärkte haben, wie auch die in Russland und Estland, obszön lange geöffnet. Bis 23 Uhr, auch sonntags – das ist keine Seltenheit. Was mir bisher nicht klar war, es gibt trotzdem keinen Schichtbetrieb. Die Verkäuferinnen arbeiten eben zwölf oder dreizehn Stunden, teilweise sogar noch länger. Die Löhne sind hier trotzdem niedrig, im Durchschnitt 600 Euro. Die Preise sind fast auf deutschem Niveau. Hui.

8. In Riga wird trotzdem gefeiert, als gäbe es kein morgen mehr. Und der Sauftourismus erscheint mir trotzdem etwas geringer als in Tallinn.

9. Lettisch ist nicht ganz so absurd wie estnisch, und man kann viele Aufschriften von Geschäften erschließen. Internationalismen immer mit -s am Ende! Außerdem klingt die Sprache ein bisschen nach holländisch, vielleicht meine ich das aber auch bloß.
9 1/2. In keinem Land konnten die Menschen bisher so gut englisch wie in Lettland. Ich habe noch nicht ganz herausgefunden, woran das liegt.

10. Ich mag O-Busse.

Yks-kaks-kolm, oder: 10 Dinge, die ich in Estland gelernt habe

1. Estnisch ist ebenso unverständlich wie finnisch, war ja eigentlich auch zu erwarten. Im Titel des Beitrags: die Zahlen eins-zwei-drei.

2. Tallinn ist wunderwunderwunderschön. Ernsthaft.

3. Tallinn wirkt aber zugleich auch etwas wie ein Freilichtmuseum mit den gotischen Häusern und dem Kopfsteinpflaster, und nicht überall so, als ob lebendige Menschen dort wohnen.

4. In Estland gibt es überall WiFi. Wirklich überall. Der digitale Tiger, wo auch Fahrkarten per Handy gekauft werden, ist Deutschland in diesem Bereich weit voraus.

5. Skype kommt aus Estland.

6. Weitere Prominente von Weltgeltung hat das Land allerdings auch nicht. Im Museum in Tallinn standen noch ein paar Namen, ich kannte aber niemanden außer Arvo Pärt. Und auch den muss man nicht kennen.

7. Estland hat neben Tallinn auch eine Sommer- (Pärnu) und eine Herbsthauptstadt (Narva), denen der Tallinner Bürgermeister zu Beginn der Jahreszeit symbolisch die Hauptstadtrechte übergibt.

8. Pärnu ist schön, aber kein Vergleich zu Tallinn, und wenn die Badegäste weg sind, stirbt es wieder aus.

9. Ich bin eigentlich schwindelfrei, aber der Turm der Olafskirche ist eine Ausnahme.

10. Estland ist fein, aber auch sehr klein. Ruckzuck ist man durch, und ehe man es sich versieht, ist man in Lettland.

10 Dinge, die ich in Russland gelernt habe

Russland war spannend. Sehr. Die Tour hat mir einige Einblicke in ein Land eröffnet, über das man zur Zeit viel in den Nachrichten hört und das von manchen Kommentatoren schon fast als Hort des Bösen dargestellt wird – ein unangenehmer Rückfall in die Zeit des kalten Kriegs. Aber Russland ist so viel mehr als Putin und Soldaten, und die Unterschiede zu den westlichen Nachbarn sind eines gewiss nicht: unüberbrückbar.

1. Ja, auch Russland modernisiert sich, auch hier gibt es WLAN, auch hier ist nicht in den Sechzigern die Zeit stehen geblieben.

2. Jedenfalls nicht überall. Viele Industrieanlagen sehen aber doch so arg mitgenommen aus, dass man sich fragen muss, wie dort überhaupt noch etwas produziert werden kann. Und die Vorortzüge sind museumsreif.

3. Die Unterschiede zwischen Stadt und Land sind enorm. Zwischen gläsernem Hochhaus und hölzernem Plumpsklo liegen mitunter nur wenige Kilometer.

4. Das gilt auch für den Zustand der Straßen. Die Petersburger Ringautobahn ist moderner als jede deutsche Straße, anderswo hingegen muss man größere Umwege um die gigantischen Schlaglöcher in Kauf nehmen.

5. Die Metro in Sankt Petersburg ist unglaublich praktisch, extrem billig (28 Rubel pro Fahrt) und liegt sehr sehr tief unter der Erde. Gefühlt steht man zehn Minuten auf der Rolltreppe, bevor die Fahrt beginnen kann.

6. Es ist ungemein anstrengend, sich ständig sein Wasser in Flaschen kaufen zu müssen – Mitteleuropa, freue dich über deine Trinkwasserversorgung!

7. Nicht alle Russen sind permanent betrunken – Wodka ist zwar billig, ich habe aber im restriktiven und teuren Finnland mehr Schnapsleichen am helllichten Tag gesehen als in Russland.

8. Auf dem Lenin-Prospekt die neusten Apple-Produkte zu bewerben, muss kein Widerspruch sein. Da ist man pragmatisch, und auch wenn Petersburg mittlerweile rückbenannt ist, heißen z.B. der Zoo oder die umliegende Provinz noch immer Leningrad.

9. An russischen Grenzen wartet man lange.

10. Ich bin ein Fan von Blinis. Besonders, wenn sie mit Kraut gefüllt sind. Mjam.

Rautatieasema, oder: 10 Dinge, die ich in Finnland gelernt habe

Das war’s auch schon mit Finnland, und irgendwie wurden mir auch nach einer knappen Woche dort noch nicht alle Fragen an dieses merkwürdige Land beantwortet. Die restliche Fahrt über Kouvola (irre hässlich) durch unberührte Landschaft (wunderschön) nach Lappeenranta (nicht ganz so hässlich, aber auch keine Schönheit) war unspektakulär, ich habe gelesen und aus dem Fenster geschaut, hinter dem der rote Sonnenball von Baumwipfel zu Baumwipfel hüpfte. Als ich in Lappeenranta ankam, war es schon ziemlich spät, ich baute nur noch schnell mein Zelt am Rande eines Sportplatzes auf, wo gerade außer einem Schneckenrennen nichts geschah, und ging schlafen – früh am nächsten Morgen ging ja schon der Bus nach Russland.

Aber zum Abschluss noch die zehn Dinge, die ich über Finnland gelernt habe:

1. Trampen ist unbekannt, unverständlich und höchst verdächtig in Finnland, völlig entgegen meiner Erwartung.

2. Alles ist wahnsinnig teuer, besonders Alkohol. Das billigste Bier, die 0,33er Dose Heineken im Supermarkt, kostet zwofuffzich. Irre.

3. Die ramblas des Nordens sind die Esplanadi in Helsinki. Sehr schön, toll zum Spazieren, und immer was los.

4. Das Land ist unglaublich dünn besiedelt, selbst im vergleichsweise dicht bevölkerten Süden. Ich komme in der Gemeinde Kouvola an und lese erst mal was von 89.000 Einwohnern, glaube mich kurz in der Großstadt, und sehe dann aber, dass das Stadtgebiet eine Fläche umfasst, die größer ist als das Saarland. Okay, hier wohnt doch eigentlich niemand.

5. Dafür ist das Land dicht mit Seen überzogen (keine Überraschung), und es gilt eine Art des Jedermannsrecht, sodass man fast überall einfach so zelten kann. Und schön ist es ja fast an jedem See. Mega schön.

6. Je schöner die sie umgebende Landschaft, desto hässlicher die Stadt. Hab ich schon öfter erwähnt! Ist aber deshalb nicht weniger frappierend!

7. Die Finnen sind enorm verschlossen, Beispiel: wenn du jemanden anlächelst, auch auf einem einsamen Waldweg, wird er nicht zurück lächeln. Ausnahmen bestätigen die Regel. Untereinander sind die Leute wohl sehr ausgelassen, behaupten viele Reiseführer, aber das nützt mir als Durchreisendem ja wenig.

8. Finnen sind crazy, jedenfalls was Kleidung, Frisur und generellen Style vieler Leute auf der Straße betrifft. Es ist nicht nur das Metal-Klischee, sondern allgemein.

9. Finnisch ist eine Sprache zum Verzweifeln. Neben eher naheliegenden Vokabeln wie kirkko oder bussi habe ich mir kaum eines der Wörter merken können, die mehrheitlich sehr sehr lang sind und aus zu vielen Vokalen bestehen. Der Titel dieses Beitrags ist ein gutes Beispiel und eines der wenigen Wörter, die ich wörtlich gelernt habe – es heißt Bahnhof. Und mehr als Bahnhof verstehe ich auch nicht.

10. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich nochmal nach Finnland wollte. In absehbarer Zeit wohl eher nicht. Die Landschaft ist schön, Helsinki ist eine coole Stadt, aber so ganz warm bin ich mit dem Land nicht geworden.

Und damit ab nach Russland!