10 Dinge, die ich in Litauen gelernt habe

1. Die Sprachmelodie des Litauischen ähnelt ein wenig der deutschen – anders kann ich mir es jedenfalls nicht erklären, dass ich ständig glaube, auf der Straße deutsch zu hören.

2. Außer in Nida. Da sind tatsächlich eine Menge Deutsche unterwegs. Die wohnen da allerdings nicht, sondern sind Touristen. Ich hätte nicht gedacht, dass Litauen so ein beliebtes Urlaubsland ist.

3. Ich hätte aber auch nicht gedacht, dass Litauen so ein tolles Urlaubsland ist. Kultur, Geschichte, Nachtleben, Meer, hier gibt es eigentlich alles, außer vielleicht Bergen. Aber Urlaub in Litauen ist doch deutlich attraktiver als erwartet.

4. Das Bier wird von Norden nach Süden immer besser. Aber gut, bald bin ich in Polen, und das ist erfahrungsgemäß sowieso fast das Land mit dem leckersten Bier…

5. Das Internet in Litauen ist unglaublich schnell. 100 % Glasfasernetz, offenbar als einziges Land der Welt.

6. Mitten in Litauen liegt tatsächlich auch das Zentrum Europas, grad an der Landstraße von Utena nach Vilnius. Das haben französische Geographen jedenfalls so berechnet. Also nix mit Osteuropa hier, ich bin im Zentrum!

7. Ich kann mir einfach die Reihenfolge der Streifen in der litauischen Flagge nicht merken. Gelb-grün-rot oder gelb-rot-grün? Verdammt, schon wieder vergessen, die Paprika-Fahne.

8. Basketball ist der ganz ganz große Sport in Litauen, nix mit Fußball. Beim Freundschaftsspiel (!) gegen Slowenien sind alle voll dabei, und abends wird kein Lied lauter mitgesungen als die Eishockey-Hymne.

9. Die Nehrung ist unbeschreiblich schön, tatsächlich ein Wunder der Natur, von dem ich immer noch nicht zu hundert Prozent verstanden habe, wie es entstanden ist.

10. Ich muss wohl wiederkommen, es hat mir einfach zu gut gefallen.

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德国 – Deutschland

Wenn ich erzähle, dass ich aus Deutschland bin, fallen meinen bisherigen Gesprächspartnern immer zwei Dinge ein (und das ging mir auch auf dem Balkan schon so): deutsche Autos und Bayern München.

Deutsches Bier soll auch gut sein, höre ich, und in Guilin gibt es sogar eine Paulaner-Kneipe (das „Paulaner“, wer hätte es gedacht) und gleich drei Kneipen mit „Mönchshof“-Schildern, eins davon angeblich ein Irish Pub (!). Gelegentlich haben meine Gesprächspartner auch noch etwas mehr über Deutschland aufgeschnappt, wie unsere „president Merkel“, die Genauigkeit der deutschen Ingenieure oder tatsächlich auch mal Beckenbauer und Dortmund, aber viel mehr weiß man doch nicht über das winzig kleine, weit entfernte Land. Oder ist Deutschland nur eine Provinz des Landes Europa? Wer weiß das schon.

Nur ein Chinese in meine Sprachschule wusste etwas besser Bescheid und fragte mich gleich, ob ich Dabbelju-Em-Ef kenne. Doch nicht etwa WMF, die Besteckmarke? Aber klar doch, er arbeite für deren chinesischen Zweig und sei nun hierher geschickt worden, um Englisch zu lernen für die Video-Konferenzen mit der schwäbischen Zentrale. Sieh an!

Alle die Deutschland kennen, haben eines gemeinsam: sie wünschen sich ein deutsches Auto, einen BMW, Audi, Mercedes oder Volkswagen. Die sind hier allesamt gut vertreten, ihre Werbung präsent, und die chinesische Mittelklasse schwärmt von ihrer Qualität. Europäischer Fußball scheint  auch leidlich bekannt zu sein (man investiert im Moment ja auch viel Mühe in seine Vermarktung), und das Bier habe ich bereits erwähnt. Prinzipiell ist Deutschland also bei allen positiv besetzt, und das liegt nicht unbedingt nur am Namen…

„Deutschland“ heißt auf chinesisch nämlich „dé guó“, wobei guó (国) einfach nur „Land“ bedeutet, der Vorsatz dé (德) aber sowohl „Tugend“ heißt, als auch lautmalerisch sein soll. Ich komme also aus dem „De-Land“, bzw. dem „Land der Tugendhaften“, was ja schon mal nicht schlecht klingt.

Man muss aber fairerweise erwähnen, dass diese Art, Ländernamen zu bilden, nicht auf Deutschland beschränkt ist. Frankreich etwa ist „fǎ guó“, also das „Land des Rechtes“, die USA sind „měi guó“ und somit das „schöne Land“ (wer hört bei „měi guó“ die englische Aussprache von „America“ heraus?). Viele andere Ländernamen sind aber auch einfach nur lautmalerisch – wer erkennt „ào dà lì yà“, „jiā ná dà“ oder „ní dé lán“? :)

So, und damit verabschiede ich mich ins Bett, denn ich habe heute viel gelernt und bin dementsprechend müde. Bis bald, meine Freunde im Land der Tugendhaften!

Viszontlátásra und Dobro došli

Ich wache früh auf. Vielleicht ist es das Konzert der Grillen und der Hunde rund herum, vielleicht ist es das Reisefieber, vielleicht auch nur die Hitze. Also frühstücke ich in aller Ruhe, döse noch ein bisschen und fahre dann zurück nach Baja, von wo aus es auf dem Damm und auf Nebenstraßen weitergeht. Bis der Weg irgendwann mal wieder aufhört – man kennt es ja schon – und ich wieder einen ziemlichen Umweg fahren muss.

Es ist ziemlich heiß, aber wenigstens gibt es quasi keinen Verkehr. Auf den nächsten zehn Kilometern begegne ich exakt einem Auto, einem Traktor und einem Radfahrer. Bei letzterem handelt es sich um Jason, den blonden Rastamann aus London, der von dort schon einen ganzen Monat unterwegs ist und es noch bis nach Istanbul machen will. Kein schlechter Plan, und da er sowieso ein cooler Kerl ist, schließen wir uns erst mal zusammen. Ohnehin müssen wir erst auf die Fähre nach Mohács warten, wo wir dann in einer Bäckerei versuchen, zumindest unser ungarisches Kleingeld loszuwerden. Klappt ganz gut.

Dann weiter auf der Schnellstraße zur Grenze, der ersten „richtigen“ auf meinem Weg. Bisher waren die Grenzen eher nur Schilder am Feldweg, nun verlasse ich endgültig den Schengen-Raum und muss tatsächlich das erste Mal meinen Pass zeigen.

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Auf Wiedersehen Ungarn, du merkwürdiges Land, bei dem ich mir immer noch nicht so ganz sicher bin, ob ich einen Zugang gefunden habe. Meine Begegnungen waren alle sehr nett, die Landschaft ist schön, die Städte sowieso, und Budapest und Györ besonders. Aber die Mentalität habe ich manchmal nicht so ganz verstanden, von der Sprache mal ganz zu schweigen. Wahrscheinlich werde ich irgendwann mal wieder hier her kommen, es ist ja wirklich ein gutes Reiseland. Aber so ganz wusste ich nicht immer, woran ich hier bin. Das erste Wort im Titel dieses Eintrags ist übrigens das ungarische „auf Wiedersehen“, wer möchte kann ja mal versuchen, es sich zu merken. Selbst die Ungarn kürzen das Ungetüm meistens zu „Viszlát“ ab.

Ganz anders Kroatien. Das Land ist mir auf Anhieb sympathisch, und Jason geht es ebenso. Auch die Sprache geht mir bald recht leicht von der Hand, das Üben gestern im Schlafsack hat sich wohl ausgezahlt. Erst geht es durch kleine Dörfer und Weinberge, dann einen fiesen Hügel hinauf, und von oben hat man einen großartigen Panoramablick über die Donau, die hier schon die Grenze nach Serbien bildet. Wir können also schon mal ins nächste Reiseland hinüber winken.

Dann geht es wieder herab ins Donautal. Von Batina, der Stadt am Fuße des Berges, hatten wir erwartet, dass sie pulsierend und modern sein würde. Wir würden bestimmt einen Geldautomaten finden, um endlich am kroatische Kuna zu kommen, außerdem ein Café und einen WLAN-Hotspot. Aber was ist das? Statt durch ein beschauliches Städtchen radeln wir durch eine Art Geisterstadt. Kein Mensch auf der Straße, die meisten Gebäude verfallen. Ist daran die nahe Grenze zu Serbien schuld, der Krieg oder die Abwanderung aus wirtschaftlichen Gründen? Wir spekulierten, während wir über die leere Hauptstraße fahren. Immerhin ein kleines Geschäft gibt es, und die Verkäuferin kann uns tatsächlich doch ein paar Kunas geben. Dankbar kaufen wir ein, und weil sie nun kaum noch Wechselgeld hat, muss ich noch ein paar Nudeln und einen Pudding mehr nehmen als geplant, damit sie mir herausgeben kann.

Jason hat ein Ritual, das „three-o-clock-beer“, das wir nun zusammen am Ufer der Donau mit Blick auf Serbien trinken. Eine gute Sache, zumal es wieder an die vierzig Grad sind und man ohnehin alle Flüssigkeit, die man zu sich nimmt, gleich wieder ausschwitzt. Weiter geht es über Nebenstraßen, zwischendurch legen wir noch eine kurze Rast in einem Sonnenblumenfeld ein (Jason: „that was probably the best pee in my life“), und irgendwann taucht zwischen Fischteichen und Weinbergen das Örtchen Bilje auf, das wir für unser Nachtlager erkoren haben, weil es von hier nur noch ein paar Kilometer bis in die regionale Hauptstadt Osijek sind. Erst mal tun wir, was man eben so erwartet, wenn ein Brite und ein Deutscher sich begegnen: wir suchen die nächstgelegene Kneipe auf, testen das kroatische Bier und unterhalten uns über das Reisen an sich und unsere weiteren Reisepläne, über englisches Bier und deutsche Bundesländer, bevor wir anfangen, die politische Situation unserer Heimatländer sowie aller Staaten, die wir passiert haben und noch passieren werden, zu diskutieren. Politikstudenten unter sich, mal wieder.

Doch irgendwann ist es dunkel genug, dass wir uns in den angrenzenden Park zurückziehen können, wo hinter einem verfallenden Herrenhaus unser Schlafplatz sein soll. Obwohl wir recht abgekämpft sind von Strecke und Hitze, zwingen wir uns noch, zu kochen, und dann liegen wir einfach nur rücklings im Gras, reden weniger und weniger und lassen nur noch die Sternschnuppen am uns vorbei ziehen.

Eine Stadt für den Sommer

Wenn man schon unbedingt bei über dreißig Grad verreisen muss, dann doch wenigstens an einen Ort, der wie geschaffen dafür ist.

Eine mittellange Autofahrt entfernt, liegt eine ebensolche Stadt. Ihre Straßen sind eher Schluchten zwischen hoch aufragenden Kaufsmannshäusern. Dicke Mauern schirmen die Innenräume vor der Hitze ab. Zahlreiche Kanäle und Parks sorgen für Abkühlung.

Es gibt eigentlich nur drei Orte, an denen sich ein wirklich heißer Sommertag aushalten lässt. Ein Boot. Ein Strand.

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Und eine Kneipe.

Und weil belgisches Bier ungemein überzeugend sein kann, ist Brügge eine ideale Stadt für einen wirklich heißen Sommertag.

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