Goodbye, Karlsruhe!

Es wird Zeit, sich von Karlsruhe zu verabschieden. Noch einmal kommen alle meine Freunde vorbei und wir feiern eine wunderbare Abschiedsparty in meinem Haus, das ich so vermissen werde. Einige werde ich mindestens ein Jahr lang nicht sehen, andere vielleicht sogar noch länger.

Dann packe ich alle meine Sachen in Kisten und David hilft mir, alles nach Altforweiler zu verschiffen. Wieder mal beschließe ich, dass ich aussortieren muss. Warum besitze ich so viele Dinge? Es wird Zeit, mich von einigen zu verabschieden.

Außerdem verabschiede ich mich von meiner Stadt, meinem Viertel, vom Schlosspark und von meinen gewohnten Wegen, von meinen Arbeitskollegen, meinen Lieblingskneipen, meiner Lieblings-Badestelle im Rhein, und mit ein paar Tränchen von meinen Freunden. Als wir im vollbepackten Auto über die Rheinbrücke cruisen, fallen mir all die Dinge ein, die ich hier immer vorhatte und nie geschafft habe. Irgendwie sind wir beide noch nicht miteinander fertig, Karlsruhe. Aber jetzt erst mal weg hier. China wartet!

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Neues altes aus China

Januar in Karlsruhe. Es ist kalt, grau und ungemütlich geworden vor meinem Fenster. Wer jetzt kein Luftschloss hat, baut sich keines mehr. Die letzte Reise ist schon lange her, und da ich mir keinen Abstecher auf die Malediven leisten kann, bleibe ich im Januar am liebsten im Wohnzimmer sitzen und träume von fernen Ländern.

Es erreicht mich eine Postkarte aus Yangshuo, ich spreche mit einer Freundin über unsere Erinnerungen an Guangxi, ich lerne einige Mandarin-Vokabeln – das ferne Land, von dem ich träume, ist offensichtlich China. Einmal durch die schönsten Fotos geklickt, da fällt mir auf, wie viele kurze Videoschnipsel ich da eigentlich herumliegen habe. Meine Tage hier sind eh unspektakulär und dunkel, welche Lichtblick wäre es da wohl, wenn ich die schönsten Schnipsel zu einem China-Panorama-Film zusammenschneide?

Neue Seiten?

Kürzlich saß ich, mit meiner Kamera bewaffnet, an einem sonnigen Vorfrühlingstag einige Zeit in einer Stadt fest.

In einer Stadt, die ich gut zu kennen glaube. In der ich schon hunderte Male war, wenn auch in letzter Zeit eher selten. In der ich nur schnell auf den Umstieg auf den Fernbus wartete. (Ach, ich bin auch zunehmend ein Freund der neuen Fernbusse, aber das nur am Rande…)

Und so schlenderte ich mit Sack und Pack, in diesem Fall mit Sack und Pentax, los. Ich wollte mich – wie ein Tourist – der Stadt wieder ganz neu nähern, das hatte ich beschlossen. Als wäre ich noch nie dort gewesen. Schon nach zwei Ecken war ich in die neue Welt eingetaucht, entdeckte mir bislang unbekannte Details. Kam aus dem Staunen nicht mehr hinaus, was im scheinbar Bekannten an Unbekanntem lauerte.

Und verließ dieser mir nur allzu gut bekannte und nicht immer sympathische Stadt mit einem ganz neuen Gefühl. Wie einen langweiligen, sabbernden Urgroßonkel, der gerade eine ungeahnte Information aus seinem wilden Zweitleben preisgegeben hat.

 

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Neue Seiten der Stadt.

Neue Seiten auch hier auf dem Blog. In der nächsten Zeit werden wohl (leider) weniger Artikel aus fremden Ländern folgen. Höchste Zeit, das Fremde im Bekannten zu suchen.

Und zu finden?

 

Nebenbei: um welche Stadt es sich wohl handelt?

德国 – Deutschland

Wenn ich erzähle, dass ich aus Deutschland bin, fallen meinen bisherigen Gesprächspartnern immer zwei Dinge ein (und das ging mir auch auf dem Balkan schon so): deutsche Autos und Bayern München.

Deutsches Bier soll auch gut sein, höre ich, und in Guilin gibt es sogar eine Paulaner-Kneipe (das „Paulaner“, wer hätte es gedacht) und gleich drei Kneipen mit „Mönchshof“-Schildern, eins davon angeblich ein Irish Pub (!). Gelegentlich haben meine Gesprächspartner auch noch etwas mehr über Deutschland aufgeschnappt, wie unsere „president Merkel“, die Genauigkeit der deutschen Ingenieure oder tatsächlich auch mal Beckenbauer und Dortmund, aber viel mehr weiß man doch nicht über das winzig kleine, weit entfernte Land. Oder ist Deutschland nur eine Provinz des Landes Europa? Wer weiß das schon.

Nur ein Chinese in meine Sprachschule wusste etwas besser Bescheid und fragte mich gleich, ob ich Dabbelju-Em-Ef kenne. Doch nicht etwa WMF, die Besteckmarke? Aber klar doch, er arbeite für deren chinesischen Zweig und sei nun hierher geschickt worden, um Englisch zu lernen für die Video-Konferenzen mit der schwäbischen Zentrale. Sieh an!

Alle die Deutschland kennen, haben eines gemeinsam: sie wünschen sich ein deutsches Auto, einen BMW, Audi, Mercedes oder Volkswagen. Die sind hier allesamt gut vertreten, ihre Werbung präsent, und die chinesische Mittelklasse schwärmt von ihrer Qualität. Europäischer Fußball scheint  auch leidlich bekannt zu sein (man investiert im Moment ja auch viel Mühe in seine Vermarktung), und das Bier habe ich bereits erwähnt. Prinzipiell ist Deutschland also bei allen positiv besetzt, und das liegt nicht unbedingt nur am Namen…

„Deutschland“ heißt auf chinesisch nämlich „dé guó“, wobei guó (国) einfach nur „Land“ bedeutet, der Vorsatz dé (德) aber sowohl „Tugend“ heißt, als auch lautmalerisch sein soll. Ich komme also aus dem „De-Land“, bzw. dem „Land der Tugendhaften“, was ja schon mal nicht schlecht klingt.

Man muss aber fairerweise erwähnen, dass diese Art, Ländernamen zu bilden, nicht auf Deutschland beschränkt ist. Frankreich etwa ist „fǎ guó“, also das „Land des Rechtes“, die USA sind „měi guó“ und somit das „schöne Land“ (wer hört bei „měi guó“ die englische Aussprache von „America“ heraus?). Viele andere Ländernamen sind aber auch einfach nur lautmalerisch – wer erkennt „ào dà lì yà“, „jiā ná dà“ oder „ní dé lán“? :)

So, und damit verabschiede ich mich ins Bett, denn ich habe heute viel gelernt und bin dementsprechend müde. Bis bald, meine Freunde im Land der Tugendhaften!