Nach Phnom Penh und weiter

Dei Busfahrt nach Phnom Penh zieht sich, trotz des „luxury bus“. Es geht über endlose Landstraßen, durch tausende Schlaglöcher, vorbei an tausenden Hütten. Überall liegt sehr viel roter Staub auf den Landstraßen, der von den Bussen und LKWs aufgewirbelt wird – teilweise sieht man keine fünf Meter.

Um für etwas Kurzweil unter den Fahrgästen zu sorgen, werden auf dem kleinen Bildschirm über dem Fahrer kambodschanische Karaoke-Videos gespielt. Das bedeutet vor allem: wirre Handlungsstränge, wirres Herumgetanze auf Dorfplätzen, wirre Liebesgeschichten, unlesbare Texteinblendungen, wirre Armbewegungen und eine überraschende Menge Kunstblut. Großer Spaß also.

Nach all dem ländlichen Kambodscha begegnet uns Phnom Penh als eine echte Großstadt mit allem was dazugehört: mit Verkehrschaos, Bettlern, Slums, aber auch mit wunderschönen Tempeln, dem hübschen Ufer entlang der Flüsse Tonle Sap und Mekong, einigen interessanten Zeugnissen der französischen Kolonialgeschichte und viel Hitze und Lärm. Besonders unser Hotel mit Holzschnitzereien an allen Wänden und Ecken und wunderbarem Frühstücksbuffet mit Blick auf die Stadt hat es mir angetan – umso mehr, da es im 14. Stock eine Dachterrasse mit großem Pool gibt! Eigentlich möchte man diesen Ort gar nicht verlassen, gäbe es in Phnom Penh nicht so viel interessantes zu sehen.

Ich möchte nun nicht alle Sehenswürdigkeiten beschreiben, obwohl natürlich der Königspalast wunderschön, der zentrale Markt besonders exotisch, die Killing Fields und die damit verbundene Vergangenheit extrem bewegend und schmerzvoll sind.

Nein, ich möchte nur noch einmal in Gedanken durch die Straßenzüge der Stadt laufen, das Geknatter der Tuk-Tuks in den Ohren, die tropische Hitze spürend, den Geruch der Abgase und der Garküchen in der Nase – so eine lebendige Stadt, so lebendige Erfahrungen, die mich auch auf meinem weiteren Weg in Richtung Thailand und Europa weiter begleiten werden!

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Lanzhou, Las Vegas, Lissabon

Ich habe es geschafft, meinen Flug nach Korea so zu buchen, dass ich einen ganzen Abend Aufenthalt in Macau habe. Yeah! Dieses Ziel stand eh schon lange auf meiner imaginären Liste – Zeit, der ehemaligen portugiesischen Kolonie und heutigen Kasino-Metropole mal einen Besuch abzustatten!

Der merkwürdige Beitragstitel rührt daher, dass mir Macau wie eine Mischung aus drei verschiedenen Städten vorkommt. Einerseits ähneln viele Aspekte einer x-beliebigen Stadt im chinesischen Hinterland. Aus Alliterationsgründen habe ich Lanzhou genannt, es hätte aber auch jede andere sein können. Es gibt chaotischen Verkehr (hier zudem auf der linken Straßenseite), kleine Altäre an den Straßenecken, funktional-hässliche graue Apartmentkästen, bunte improvisierte Märkte und Restaurants, und nicht zuletzt spricht die Bevölkerung ja Kantonesisch. So weit, so Hongkong.

Zugleich ist es aber eine wahnsinnig reiche Stadt, dem Glücksspiel sei dank. Das ist in Festlandchina offiziell nicht erlaubt, weshalb die Reichen und vor allem die Neureichen gerne mal nach Macau kommen, um in einem der vielen Kasinos ihr Geld zu verprassen. Der ikonische Turm des „Grand Lisboa“ erhebt sich wie eine gigantische Blüte über die Altstadt, dazu kommen zig andere Kasinos und Amusements vom Fünf-Sterne-Luxus-Tempel über den Moulin-Rouge-Verschnitt bis zur Kartenspiel-Klitsche. Die großen Namen aus dem echten Las Vegas dürfen natürlich auch nicht fehlen, das hiesige „Venetian“ komplett mit italienischer Gondellandschaft ist sogar dreimal größer als das Original in den Staaten.

Und schließlich empfängt mich schon der Flughafen mit dreisprachiger Beschilderung, chinesisch/kantonesisch, englisch, und – portugiesisch. Auch wenn die Halbinsel seit 1999 wieder zu China gehört und das Portugiesische aus dem täglichen Leben so gut wie verschwunden ist, bleiben doch viele Relikte. Die Gebäude im Kolonialstil, die typischen Kacheln der Altstadt, das Wahrzeichen der Sao-Paolo-Kathedrale, immer wieder fühle ich mich wie zu Hause im guten alten Europa. Besonders hoch oben auf der Festung glaubt man sich nicht in Asien, der Leuchtturm im portugiesischen Stil könnte seine Strahlen genauso gut auf den Atlantik hinaus schicken wie auf den Pazifik.

Und so erlebe ich Macau als eine wilde Mischung, eine laute hektische bunte glitzernde Halbinsel, die gerne ein wenig mit ihrem Reichtum und ihrer Vergangenheit angibt und dabei die perfekte Synthese darstellt zwischen Lanzhou, Las Vegas und Lissabon.

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