Rautatieasema, oder: 10 Dinge, die ich in Finnland gelernt habe

Das war’s auch schon mit Finnland, und irgendwie wurden mir auch nach einer knappen Woche dort noch nicht alle Fragen an dieses merkwürdige Land beantwortet. Die restliche Fahrt über Kouvola (irre hässlich) durch unberührte Landschaft (wunderschön) nach Lappeenranta (nicht ganz so hässlich, aber auch keine Schönheit) war unspektakulär, ich habe gelesen und aus dem Fenster geschaut, hinter dem der rote Sonnenball von Baumwipfel zu Baumwipfel hüpfte. Als ich in Lappeenranta ankam, war es schon ziemlich spät, ich baute nur noch schnell mein Zelt am Rande eines Sportplatzes auf, wo gerade außer einem Schneckenrennen nichts geschah, und ging schlafen – früh am nächsten Morgen ging ja schon der Bus nach Russland.

Aber zum Abschluss noch die zehn Dinge, die ich über Finnland gelernt habe:

1. Trampen ist unbekannt, unverständlich und höchst verdächtig in Finnland, völlig entgegen meiner Erwartung.

2. Alles ist wahnsinnig teuer, besonders Alkohol. Das billigste Bier, die 0,33er Dose Heineken im Supermarkt, kostet zwofuffzich. Irre.

3. Die ramblas des Nordens sind die Esplanadi in Helsinki. Sehr schön, toll zum Spazieren, und immer was los.

4. Das Land ist unglaublich dünn besiedelt, selbst im vergleichsweise dicht bevölkerten Süden. Ich komme in der Gemeinde Kouvola an und lese erst mal was von 89.000 Einwohnern, glaube mich kurz in der Großstadt, und sehe dann aber, dass das Stadtgebiet eine Fläche umfasst, die größer ist als das Saarland. Okay, hier wohnt doch eigentlich niemand.

5. Dafür ist das Land dicht mit Seen überzogen (keine Überraschung), und es gilt eine Art des Jedermannsrecht, sodass man fast überall einfach so zelten kann. Und schön ist es ja fast an jedem See. Mega schön.

6. Je schöner die sie umgebende Landschaft, desto hässlicher die Stadt. Hab ich schon öfter erwähnt! Ist aber deshalb nicht weniger frappierend!

7. Die Finnen sind enorm verschlossen, Beispiel: wenn du jemanden anlächelst, auch auf einem einsamen Waldweg, wird er nicht zurück lächeln. Ausnahmen bestätigen die Regel. Untereinander sind die Leute wohl sehr ausgelassen, behaupten viele Reiseführer, aber das nützt mir als Durchreisendem ja wenig.

8. Finnen sind crazy, jedenfalls was Kleidung, Frisur und generellen Style vieler Leute auf der Straße betrifft. Es ist nicht nur das Metal-Klischee, sondern allgemein.

9. Finnisch ist eine Sprache zum Verzweifeln. Neben eher naheliegenden Vokabeln wie kirkko oder bussi habe ich mir kaum eines der Wörter merken können, die mehrheitlich sehr sehr lang sind und aus zu vielen Vokalen bestehen. Der Titel dieses Beitrags ist ein gutes Beispiel und eines der wenigen Wörter, die ich wörtlich gelernt habe – es heißt Bahnhof. Und mehr als Bahnhof verstehe ich auch nicht.

10. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich nochmal nach Finnland wollte. In absehbarer Zeit wohl eher nicht. Die Landschaft ist schön, Helsinki ist eine coole Stadt, aber so ganz warm bin ich mit dem Land nicht geworden.

Und damit ab nach Russland!

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