Oh du fröhliche!

Mein allererstes Weihnachten in der Fremde!

Bisher hat es mich über die Feiertage immer ins gemütliche Elternhaus im Saarland verschlagen, diesmal ist das leider nicht drin. Weihnachten findet in China ausschließlich in Gestalt der Dekoration von Einkaufszentren statt – und da es in Pengshan nicht mal ein solches gibt, geht der Universitätsbetrieb natürlich erst recht weiter.

Wir haben es geschafft, an Heiligabend und dem ersten Weihnachtstag wenigstens nicht unterrichten zu müssen. Leider gibt es am Abend des 24. eine fröhliche „Show“ für alle Studenten, aber ich habe verweigert, dabei auf der Bühne mit einem Lied oder einer Tanzeinlage aufzutreten. Heiligabend ist und bleibt für mich Heiligabend, auch in China. Meinen amerikanischen Kollegen bleibt das nicht erspart. Ich gehe hingegen nur einmal kurz auf die Bühne, um dem Uni-Präsidenten säuerlich grinsend die Hand zu schütteln und mein Geschenk entgegen zu nehmen – eine Heizdecke. Mehr dazu später.

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Danach stürze ich schnell von der Bühne, vollende mein Weihnachtmenü, und wir machen es uns mit ein paar Flaschen Wein in meinem Wohnzimmer gemütlich. Später in der Nacht skype ich noch mit meiner Familie in Altforweiler und Jerusalem, und so ganz schlimm war es dann ja auch gar nicht, das Weihnachten in der Fremde.

Und hinreichend kalt war es auch. Im Gegensatz zu klassischen deutschen Weihnachten findet die Kälte hier nicht nur draußen, sondern auch in der Wohnung statt. Heizungen gibt es nicht. Eine wirklich unangenehme Wohnsituation, weshalb die geschenkte Heizdecke dankend angenommen wird. Ich habe mittlerweile sogar eine im Bett, die ich zum Einschlafen kurz zünde, damit ich nicht mit den Zähnen klappern muss. Hätte nie gedacht, dass mir das vor meinem siebzigsten Geburtstag passiert.

Zurück zu Weihnachten. Häufigste Frage: kommt den Weihnachtsstimmung auf?

Die Antwort: ja doch, tatsächlich. Ich hatte mir schon frühzeitig bei Ikea einen Plastikbaum zugelegt. Ich habe Plätzchen gebacken, sonntags vor Weihnachten die nette Weihnachtsfeier des deutschen Konsulats in Chengdu besucht, mit meinen Studenten Nikoläuse gebastelt, und dann sitzen wir gemütlich auf der Couch schauen Weihnachtsfilme, hören Weihnachtsmusik, schlagen uns den Bauch voll, und auch die Weihnachtsfeier mit meinen Deutschstudenten am 23. war wirklich schön und stimmungsvoll. Mir geht es also gut, darauf nen Bratapfel, und jetzt an alle: Frohe Weihnachten!

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Wie hundert Sterne

In Pengshan ist nichts los? Tjoah, vielleicht nicht so viel wie in anderen Städten. Aber ab und zu passiert hier auch schon mal was.

In diesem Fall ist es das Neujahrsfest der lokalen Minderheiten, die aus unerfindlichen Gründen weder den normalen Sonnen- noch den chinesischen Mondkalender verwenden, sondern ihren eigenen Kalender. So kommt es, dass hier auch Ende November schon einmal Neujahr gefeiert wird, auch wenn eigentlich kaum Angehörige nationaler Minderheiten wieder der Yi oder der Miao an unserer Uni studieren, wird hier ein großes Fest veranstaltet, mit allem was dazugehört (Fressstände, Verkauf von Krimskrams, Bühne mit tanzenden Studentengruppen).

Aber das Besondere an diesem Fest: es gibt einige große Feuer, um die sogar getanzt wird. Und es gibt die Himmelslaternen.

Sie bestehen aus Reispapier, wiegen nur ein bisschen mehr als nichts und werden mit einem kleinen Stück Esbit befeuert. Wir kaufen auch eine der fliegenden Brandgefahren, schreiben wie alle unsere Wünsche darauf, und zünden dann den Treibsatz. Es dauert nicht lange, und die Luft in der Laterne erwärmt sich so weit, dass sie wie ein Ballon nach oben strebt. Es dauert noch ein paar Minuten, dann hebt die Laterne ab. Langsam steigt sie nach oben, wird von einem leisen Windzug abgetrieben, bis sie unter den hunderten Laternen nicht mehr zu erkennen ist – und nimmt hoffentlich unsere Wünsche mit hinauf …

It’s part of my job

Viele spannende Jobs haben ihn – diesen komischen anderen Teil, an den man normalerweise nicht denkt und der wenig mit dem eigentlichen Inhalt der Arbeit zu tun hat. Feuerwehrleute löschen nicht nur brennende Häuser, sondern retten auch dann und wann ein Kätzchen vom Baum. Schornsteinfeger halten nicht nur Kamine sauber, sie stehen zum Jahreswechsel auch auf Kuchen herum und bringen Glück. Comedians erzählen nicht nur Witze im Fernsehen, sie nehmen auch an der Wok-WM teil. So in der Art.

Und so kommt es, dass ich nicht nur Studenten mit Grammatik, Hörverstehen und Sprachpraxis beglücke, sondern mich plötzlich zusammen mit den anderen ausländischen Dozenten auf einer riesigen Bühne wiederfinde, angestrahlt von Drölftausend-Watt-Scheinwerfern, bejubelt von tausenden Zuschauern, und dabei groteske Bewegungen zu einem Taylor-Swift-Song vollführe. Was ist passiert?

Unser College feiert seinen Geburtstag in jedem Oktober mit einer gigantomanischen Show. Alle Studentengruppen führen etwas auf, darunter semiprofessionelle Tänze und Akrobatik. Außerdem werden fernsehbekannte Sänger gebucht, der Unipräsident hält eine lange Ansprache – und auch die ausländischen Dozenten werden gebeten, etwas aufzuführen. Wobei „gebeten“ sich nach weniger Zwang und „etwas“ sich nach weniger Kontrolle anhört, als es dann tatsächlich ist.

So kommt es, dass wir wochenlang montags und mittwochs in unserer Mittagspause einen Tanz einstudieren, diesen von zwei verschiedenen Festkomittees abnicken lassen, mit Cheerleaderoutfits (die Damen) und roten Poloshirts (die Herren, nochmal Glück gehabt) ausstaffiert werden – und nun stehen wir auf der Bühne und führen dreieinhalb Minuten geballte Tanzpower auf und shaken it off, so gut wir können.

Tja, wir werden ziemlich bejubelt. Wir waren wohl tatsächlich nicht völlig schlecht. Wenn ich ganz ehrlich bin, genieße ich den Moment auch ein kleines bisschen.

Morgen wieder Landeskunde und Akkusativ – aber heute mal der Star sein. Was soll’s – it’s part of my job!

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Der Berg der Hundertjährigen

NSFW!

In und um Pengshan werden die Menschen angeblich besonders alt, es soll viele Hundertjährige hier geben. Da frische Luft, sauberes Wasser und guter Rotwein als Ursachen eher unwahrscheinlich sind, muss es an den Schriften des bereits erwähnten Stadtgründers Pengzu liegen, in welchen die Bedingungen eines langen Lebens dargelegt werden. Jener Pengzu soll übrigens mit gutem Beispiel vorangegangen und über achthundert Jahre alt geworden sein.

Überprüfen kann ich das kaum, aber immerhin ist heute einmal schönes Wetter und ich habe frei. Also miete ich mir ein Fahrrad, fahre ein Stück flussaufwärts und dabei durchs sehr ländliche und ärmliche Hinterland von Pengshan und besichtige schließlich jenen Berg, auf dem dem alten Pengzu gehuldigt wird.

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Bergauf geht es über niedrige, ausgetretene Treppen, die in den roten Sandstein geschlagen wurden. Ringsum hört man diverse Singvögel und auch viele Hühner und Hähne. Ich erkenne Bambus und Bananenstauden, die hohen Laubbäume kenne ich nicht. Aber endlich herrscht einmal annähernd Stille. Und wenn ich doch Geräusche höre, so sind es die Geräusche der Natur. Kein Verkehr, keine nervtötende Werbung, kein chinesischer Schlager aus überforderten Lautsprechern – einfach nur das Rauschen der Bäume und ein paar Vögel. Sehr angenehm.

Am Weg bergauf befinden sich Schreine, Felsinschriften, das angebliche Grab Pengzus und weitere kleine Gebäude. Wie bei chinesischen Tempelbergen so üblich, wohnen hier auch Leute in und zwischen den Schreinen. Sie hausen zumeist in ärmlichen Hütten und leben davon, den Besuchern Erdnüsse, Tee, Räucherstäbchen und irgendwelchen Schmuck und Ramsch zu verkaufen. Aber immerhin, viele scheinen sehr alt zu sein. Vielleicht ist doch etwas dran am Geheimnis!

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An der Spitze des Berges angelangt, betrete ich eine weitläufige Tempelanlage mit zahlreichen Schreinen, Altären, Teichen und großen steinernen Gefäßen, in den Räucherstäbchen vor sich hin qualmen. Schön, wie hier daoistische Ahnenfiguren einträchtig neben großen Buddhas stehen. Ich mag es, wie entspannt man hier in Sachen Religion ist. Keiner muss sich rechtfertigen, jeder pickt einfach aus den diversen Lehren all das heraus, was ihm gefällt, ohne dem anderen deshalb den Kopf einzuschlagen.

Auch sonst ist hier alles friedlich. Ich laufe Treppchen auf und ab, bestaune die riesigen Skulpturen, wimmle gekonnt Räucherstäbchenverkäuferinnen ab und treffe sogar eine meiner Studentinnen, die auch gerade dem Trubel der Stadt entflohen ist.

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Aber dem Geheimnis des langen Lebens bin ich immer noch nicht näher gekommen. Die Schildkröten sehen hier zwar auch sehr alt aus, aber sie schauen nur stumm aus dem schmoddrigen Wasser heraus, und immer wenn ich mich ihnen nähere, tauchen sie schnell unter. Offenbar wollen sie es nicht mit mir teilen.

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Doch auf dem Weg nach unten komme ich endlich an einer Halle mit der Aufschrift 养生殿 vorbei. „Gesundheits-Erhaltungs-Halle“? Das muss es sein. Ich laufe noch ein letztes Sandsteintreppchen hoch, lasse meine Eintrittskarte abknipsen, und schon empfängt mich ein Schild. In dieser Halle seien die Gesundheitsgeheimnisse des alten Pengzu hinterlegt – man möge daraus lernen, um selbst ein langes Leben zu erhalten!

Endlich am Ziel! Was werden das wohl für Ratschläge sein?

Ginseng?

Ingwer?

Quellwasser?

Taichi?

Gutes Olivenöl?

Nein, weit gefehlt! Was sehe ich stattdessen?

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Nur Schweinkram!

Also, zwei Möglichkeiten. Entweder das Geheimnis eines langen Lebens besteht im Beischlaf in allen denkbaren Positionen und dem Zeigen eines monströsen Gemächts – oder der alte Pengzu hat sich hier nur einen großen Spaß erlaubt.

Ich ich, der ein solches Ende der „Pilgertour“ nie im Leben erwartet hätte, falle erst mal lachend in den Bambus…

Mein Leben als 老师

Seit fast zwei Wochen arbeite ich nun schon am Jinjiang College der Sichuan Universität als Dozent für Germanistik. Ich unterrichte hauptsächlich die Studenten im zweiten Jahr. Sie können schon einigermaßen gut deutsch lesen, kennen viele Wörter und können auch schon mehr oder weniger gut sprechen. Viele sind sehr engagiert, bitten mich immer wieder um Erklärungen zu texten, die ich in meiner Freizeit, und bemühen sich im Gegenzug, mein Chinesisch zu verbessern.

Aber im chinesischen Bildungssystem legt man sehr viel Wert auf die geschriebene Sprache, die Sprachpraxis kommt meines Erachtens ein bisschen zu kurz. So kommt es, dass manche Studenten große Probleme haben, mich als Muttersprachler zu verstehen – weil sie deutsch fast nur als geschriebene Sprache kennen. Ich rede also sehr langsam und deutlich und in einfachen Worten, und trotzdem fällt es ihnen meist nicht leicht, mir zu folgen.

Dazu kommt, dass die Klassenräume sehr groß sind (in meinen Kursen sitzen zwischen 35 und 40 Studenten) und unangenehm hallen. Die Fenster sind fast immer auf, weil es so stickig ist, und der Lärm von draußen tut sein übriges. Wenn dann der 老师 aus Deutschland noch ein bisschen nuschelt oder eine Silbe verschluckt …

Nichtsdestotrotz habe ich großen Spaß mit meinen Studenten. Sie sind wahnsinnig nett, wir lachen viel und machen halt lieber noch ein paar Sprachspiele, Rätsel und Zungenbrecher mehr, wenn die Lektionen im Buch zu schwierig sind. Gerade sollte meine Hörverstehensklasse Begriffe aus dem eben bearbeiteten Text auf Deutsch erklären, so ähnlich wie bei „Tabu“. Eine Studentin erhält den Begriff „gutaussehend“ – und was sagt sie? „So wie Moritz…“

Ich glaube ich bin rot angelaufen und habe mich unter dem Pult versteckt…

Was ist los in Pengshan?

Wenn man vor dem Campustor den Bus Richtung Innenstadt nimmt, wirft man einen 1-Yuan-Schein in die 1-Yuan-Schein-Box beim Fahrer und sieht zu, dass man einen Sitzplatz bekommt oder sich sehr gut festhält. Die ruppige Fahrt dauert nur etwa zehn Minuten, während der man beruhigt Werbung oder schlechte chinesische Actionfilme schauen kann. Ich schaue lieber aus dem Fenster.

Pengshan bedeutet „Berg von Peng“, und mit Peng ist Pengzu gemeint, ein Schriftsteller und Gelehrter, der hier wohl irgendwann mal eingesiedelt hat und heute als große Statue in der Innenstadt verewigt ist. Auf dem davor liegenden Platz ist irgendwie immer was los.

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Heute ist offensichtlich irgendeine Art Kinderfest. Jedenfalls gibt es Musik und Büdchen und Trampoline und Basteltische, und überall tollen Kinder, Eltern und Großeltern herum. Im Hintergrund bereitet sich eine Tanzgruppe in Ganzkörper-Panda-Anzügen auf ihren Auftritt vor und spielt schon mal krächzend irgendwelche Schlager ab. Um das Chaos perfekt zu machen, kann man kleine akkubetriebene Autochen oder etwas größere Vehikel in Gestalt aufblasbarer Tiere mieten, mit denen Mutti und ihr Ein-Kind-Familien-Kind fröhlich über den Platz fahren und Passanten anrempeln. Natürlich blinkt alles und macht eine Menge Krach, also alles in bester Ordnung.

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Weiter oben, rund um die Pengzu-Statue haben sich wieder die tanzenden Rentner versammelt, die man in China überall sieht. Es handelt sich um Frauen und einige Männer zwischen vierzig und biblisch, die sich ihre tägliche Dosis Bewegung an der frischen Luft abholen. Auch hier dröhnt die Musik viel zu laut und krächzig, und alle laufen wedelnd und klatschend im Kreis herum. Ganz ehrlich – wenn ich mal alt bin, will ich, dass diese Mode in die deutschen Parks hinübergeschwappt ist. Niemandem ist etwas peinlich, alle wedeln so gut sie können, und wenn einer den Takt nicht hält, macht er trotzdem einfach weiter.

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Und zum Glück gibt es ein paar Schritte weiter ja auch noch den Blick über den Min-Fluss, der sich hier gemächtlich, zwischen den Hügeln und über die Kiesbänke, seinen Lauf durch Pengshan bahnt. Hier ist es stiller, außer einigen Spazierengehern fließt nur der Fluss träge dahin, Richtung Süden, wo er im noch viel größeren Jangtse aufgehen wird.

Achtung, heiß und fettig

Wer Sichuan-Küche nachkochen möchte, muss sich nur an eine einzige Regel halten: „Ruhig noch ein paar Chilis mehr mit rein!“

Denn hier ist das Essen immer sehr würzig. Scharf. Brennend. Lippen und Zunge betäubend. Und teilweise noch schärfer.

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(normale Lieferung an ein Restaurant)

Mir macht das nichts, ich wusste das ja. Ich mag scharfes Essen, und vor allem mag ich die Spezialität dieser Gegend: den Feuertopf. Dabei handelt es sich um eine Art großes Fondue, das in der Tischmitte vor sich hin brodelt. Die beiden Brühen sind getrennt voneinander, die eine ist weiß und scharf, die andere dunkel und noch viel schärfer.

An einem Büffet kann man sich verschiedene Sorten Fleisch, Gemüse, Grünzeug, Pilze, Kartoffeln, Hühnerfüße, Reisbällchen, Tofu und was immer das Herz begehrt aussuchen. Dann setzt man sich um den Feuertopf, wirft nach und nach alles in die brodelnde Schärfe und fischt es nach und nach wieder heraus. Dann verbrennt man sich ordentlich den Mund damit, versucht die Schärfe so gut es geht zu ignorieren – und siehe da, es schmeckt tatsächlich köstlich!

Ein ordentlich schweißtreibendes Mahl, es ist hier ja sowieso oft schwül. Dazu kommt die Hitze des Gasbrenners unter dem Feuertopf, und natürlich die Schärfe der Mahlzeit. Kein Wunder also, dass man während des Abendessens trinkt und trinkt und trinkt, am besten neutralisierende Sojamilch oder Tee.

Aber auch ein sehr kommunikatives Mahl, und deshalb muss sich jeder, der mich hier besuchen kommt, schon mal drauf einstellen: es wird heiß und fettig!

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Und alle so 噫!

Montag früh, sechs Uhr. Nach zehn Stunden Flug und zehn Minuten Schlaf laufe ich durch die Einreisekontrolle am Flughafen Chengdu. Es erwarten mich Johannah und Birte, zwei Studentinnen meiner zukünftigen Uni, die mitten in der Nacht aufgestanden sind, um mich hier abholen zu kommen. Selbst um diese Uhrzeit ist es schon schwül, der Himmel dicht bewölkt, während der Autofahrt nach Pengshan schlafen wir alle drei ein.

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Es wecken uns gedämpfte Teigbällchen, das übliche Frühstück hier. Dann krieche ich irgendwann endlich in mein neues Bett, nachdem ich wirklich lange genug am Stück wach war. Das Bett ist hart wie ein Brett, die Luftfeuchtigkeit kaum auszuhalten, aber mir egal. Die nächsten Tage verbringe ich halb schlafend, halb wachend, mein Schlafrhythmus ist endgültig weg.

Aber allmählich gewöhne ich mich nicht nur an die Zeitzone, sondern auch an den Gedanken, nun in China zu leben. Reis statt Schwarzbrot, rote Laternen vor dem Fenster, fremde Gerüche und Geräusche, der Weg zum Restaurant, wahnsinnig scharfe Chilis überall, chinesische Schlager überall, Kakerlaken im Badezimmer, tanzende Rentner, völlig außer Rand und Band geratener Straßenverkehr – das alles kommt mir bald wieder völlig vertraut vor.

Dazu kommen die ersten Meetings mit meinen neuen Arbeitskollegen, einige schöne Stunden mit meinen amerikanischen Flurgenossen, die Vorbereitung auf das bald beginnende Semester und natürlich viel Freizeit. Ich erkunde die Stadt und die Umgebung meiner Hochschule, treibe viel Sport und jogge über den palmenbestückten Campus, und am liebsten räkel ich mich auf der Couch und schaue Filme. Man muss ja nicht alle alten Gewohnheiten auf einmal ablegen…

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