Mitten im Weltwunder

Im Landeanflug auf Kambodscha sah man bereits das Unvorstellbare: aus dem riesigen Dschungel unter uns reckten sich die Türme von Angkor Wat. Riesige geometrische Wasserbecken und versteckte Tempel zeigten an, wo im Dschungel die riesige Hauptstadt des alten Khmer-Reiches verborgen war. Dazu Reisfelder, Bewässerungsgräben, Hütten, aber auch Palmen, Dschungel, der riesige Tonle-Sap-See, und natürlich immer wieder die schnurgeraden Tempelanlagen. Und all das wartete nur darauf, von uns erkundet zu werden.

Wir flogen noch eine letzte Schleife, dann landete unser Airbus nach dem Bilderbuch-Anflug auf dem Flughafen Siem Reap. Erst einmal erschlägt uns die Tropenhitze, dann begeben wir uns in die Ankunftshalle, die man als „Baracke im traditionellen Stil“ beschreiben könnte. Die Einreise gestaltet sich als äußert chaotisch, Zollformulare sind gerade aus, chinesische Reisegruppen drängeln sich vor, die Namen werden in wirrer Ordnung und mit kaum verständlicher Aussprache ausgerufen, aber irgendwann prangen endlich die leuchtend grünen Visa in unseren Reisepässen, und wir sind offiziell in Kambodscha.

Und Kambodscha hat es in sich. Wir bleiben im Homestay bei einer netten Familie – wobei man das nicht extra dazu sagen müsste. Alle Kambodschaner, mit denen ich zu tun habe, sind freundlich und aufgeschlossen, viele können extrem gut englisch, und selten war mir ein Land von Beginn an so sympathisch.

Zudem ist es natürlich keine Überraschung, dass Angkor einfach eine der besten Sehenswürdigkeiten ist, die ich mir jemals angeschaut habe. Unser privater Tuk-Tuk-Fahrer (und zugleich Bruder unserer Wirtin und Fremdenführer und knuffiger Privat-Chill-Clown in einem) kutschiert uns durch den Urwald mit seinem Motorrad-Rikscha-Gespann, wie man sie hier überall sieht. Und während wir über die staubigen Straßen durch die Hitze fahren, kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Es ist tatsächlich wie im Film, oder wie bei Tim und Struppi: hinter jeder Ecke lauert ein neuer, verfallener Tempel. Highlight ist natürlich der Angkor Wat selbst, der zentrale Tempel, wichtigstes Postkarten- und T-Shirt-Motiv des Landes und dementsprechend auch auf der Flagge abgebildet. Man könnte Stunden damit verbringen, alleine die ellenlangen Wandreliefs zu studieren, die sich rings um das riesige Tempelgelände ziehen. Das tun wir auch, bevor wir schließlich den höchsten Turm besteigen und einen atemberaubenden Blick über die größte Tempelanlage der Welt haben, die den Vatican aber deutlich in den Schatten stellt. Ich lasse an dieser Stelle einmal Fotos für sich sprechen, beschreiben kann man dieses Weltwunder ohnehin nur bedingt.

Der Sonnenaufgang am Angkor Wat am nächsten Morgen zeigt den Komplex noch einmal von einer neuen, sehr malerischen Seite: als düstere Silhouette, die sich zunächst diffus und dann immer klarer gegen den Morgenhimmel abzeichnet.

Aber auch die anderen Tempel, die Terrassen und Statuen, die Wasserbecken und Buddhas und Bildhauereien sind unglaublich. Teilweise kann man nicht glauben, dass all dies wirklich die Ruinen einer realen Stadt sind – sie wirken eher wie die Kulissen des Lara-Croft-Films, der hier einmal gedreht wurde, und die nun im Dschungel sich selbst überlassen sind.

Überhaupt, der Dschungel. Zu all den menschengemachten Wundern kommt ja noch eines der Natur hinzu. Merkwürdige Vogelstimmen, Affen, Lianen, die riesigen Bäume, die überall aus den Ruinen wachsen, Schmetterlinge, die Hitze, die Größe, der Durst – ja, ich bin tatsächlich im Dschungel.

Und so stolpere ich durch die Ruinen und durch den Dschungel und schieße tausende Fotos – ganz einfach um mich später zu überzeugen, dass ich wirklich da war und dieses Weltwunder mit eigenen Augen gesehen habe!

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